das falsche Licht

6 Tipps für eine Fototour, die nicht so läuft wie geplant. 

Ein guter Plan, schlechtes Timing 

Stell dir vor, du hast ein bestimmtes Fotoprojekt im Kopf. Du willst eine der schönsten Burgen Europas im wunderschönen Licht eines Sonnenaufgangs ablichten. Du planst alles im Voraus, hast dir Inspirationen gesucht und auch schon einen Tag festgelegt, an dem du deinen Plan in die Tat umsetzen möchtest. Der Wecker klingelt extra früh, du begibst dich voller Erwartungen und Vorfreude zur Location… und dann spielt das Wetter einfach nicht mit. Es schüttet zwar nicht aus Eimern, aber der Himmel ist langweilig grau und der Sonnenaufgang ist überall schöner, nur eben nicht dort wo du ihn gebrauchen könntest.

Kennst du das? Ich schon. Im Laufe meiner Fotografie Laufbahn bin ich immer wieder auf solche Momente gestoßen. Momente, die ich so gut geplant hatte und wo irgendwas im Universum nicht mitspielen wollte. Erst vor kurzem hatte ich eine solche Situation wieder gehabt.

Wie geht’s jetzt weiter?

Dann hat man meistens nur zwei Möglichkeiten: Das ganze Projekt auf „irgendwann später“ verschieden, die Zelte abbrechen und wieder nach Hause fahren (& sich nochmal ins Bett legen) oder aber man bleibt noch etwas vor Ort und nimmt die Herausforderung „schlechtes Wetter“ an. Wenn du von der zweiten Sorte bist, habe ich hier einige Tipps für dich:

1. Wirf deine Planung über Bord.

Zumindest für den Moment. Du musst akzeptieren dass du das gewünschte Foto heute nicht machen wirst. Mach dafür andere. Öffne dich und deinen Geist für ganz neue Bilder. Lass dich fallen und sei offen für alles was du siehst und was passiert. So entdeckst du ganz neue Möglichkeiten.

Das gleiche Motiv, nur in den unterschiedlichsten Winkel und anders interpretiert. Mal unscharf im Hintergrund, in Zusammenspiel mit anderen Elementen oder eingebunden in das, leider nicht so gute, Wetter.

2. Ändere de(ine)n Bildausschnitt.

Im Grunde genommen ist ein grauer, aber heller Himmel gar nicht so negativ. Eigentlich hast du hier ein unglaublich weiches Licht, mit dem du arbeiten kannst. Beweg dich etwas von deiner ursprünglichen Location weg, lauf herum, leg dich auf den Boden oder such eine tolle Erhebung, die dir neue Perspektiven und Bildausschnitte offenbaren. Sieh die Wolkendecke als Chance, Details zu fotografieren, zu experimentieren oder vielleicht das eine oder andere etwas düstere Foto zu schießen. Dabei musst du den Himmel ja nicht unbedingt mit fotografieren. Diesen etwas zu meiden bietet dir vielleicht eine gewisse Herausforderung und fordert dich kreativ heraus?

Ich habe mich an dem Tag dafür entschieden, die Burg aus dem Wald heraus zu fotografieren. So erschuf ich eine Fotoserie, die eine andere Perspektive der Burg zeigt. Ich stellte mir in dem Moment vor, dass Reisende früher die Burg vielleicht auch so zum ersten Mal sahen, bevor sie ins Dorf rein kamen.

3. Fotografiere im RAW Format

Auch wenn du nicht viel am Wetter ändern kannst, sollst du hingegen bei deinen Fotos keine Kompromisse machen. Deshalb fotografiere, prinzipiell immer, im Raw Format. Hier kannst du dann in der Bearbeitung noch unglaublich viel aus deinen Bilder herausholen. So kann ein langweiliger Himmel, mit etwas Arbeit , in eine dramatische Kulisse verwandeln.

Burg in Luxemburg
Burg in Luxemburg

Wie man hier sieht, kann man mit etwas Bildbearbeitung eines Fotos im Raw Format noch einiges rausholen. In diesem Beispiel habe ich mich für ein schwarz weiß Look entschieden, weil ich die Wolken dadurch etwas dramatischer zeigen konnte. 

4. Suche dir deine Fotobuddies gut aus.

Was ist besser als alleine etwas enttäuscht über den schlechten Fototag zu sein? Na zusammen! Ich liebe es zwar gelegentlich auch alleine auf Fototour zu gehen aber gemeinsame Fotoausflüge sind immer noch die schönsten! Denn neben der Tatsache dass man sich gegenseitig besser vorantreibt und motiviert, lässt sich ein schlechter Fototag viiiiiiel besser ertragen! 

Buddymedia

Ich liebe es mit meinen Fotobuddies Hanna & Dorian von Buddy Media auf Fotoabenteuer zu gehen. Wir inspirieren uns gegenseitig andere Wege als die gewohnten zu gehen und lachen, tanzen und reden unglaublich viel Quatsch während unseren Touren. Das macht die Touren, neben richtig tollen Resultaten, auch zu meiner persönlichen Qualitätszeit, die ich nicht mehr missen möchte.

5. Sieh es als Generalprobe

Vor jeder Theateraufführung machen die Schauspieler eine große Generalprobe, wo alles nochmal geprobt wird. Meistens läuft dort noch so einiges nicht nach Plan. Man sagt, wenn die Generalprobe schief läuft, klappt die Premiere des Stücks einwandfrei. Sieh den misslungenen Fototag als eine Art Generalprobe für dein richtiges Foto. Auch wenn du heute noch nicht das finale Foto machst, kannst du doch schon mal den besten Bildausschnitt festlegen, wo stellst du dein Stativ auf und wo finden sich die interessantesten Details? Aber nicht nur fototechnisch kannst du schon mal erste Erfahrungen sammeln, auch rein organisatorisch. Wie lange brauchst du tatsächlich zur Location? Warst du warm genug angezogen? Haben der Kaffee und die Verpflegung gereicht? All die Erfahrungen beim ersten Versuch können dir helfen es bei der „Premiere“ besser zu machen.

Burg in Luxemburg

Das war eins meiner ersten Versuche am ersten Tag. Ich habe verschiedene Bildausschnitte ausprobiert und mit der Belichtung gespielt. Auch wenn ich mir erhoffte, dass die Belichtung am Folgetag schöner sein würde, kann man sich trotzdem mit der aktuellen Lichtsituation gut auseinander setzen.

6. Versuche es an einem anderen Tag nochmal

Und das wichtigste zum Schluss: Versuche es unbedingt nochmal! Denn auch wenn es an dem einen Tag nicht besonders gut geklappt hat, bedeutet es nicht dass es nie klappt. Schnapp dir am Besten am nächsten Tag (sollte das Wetter es erlauben) deine Kamera und starte einen neuen Versuch. Es wird sich garantiert lohnen! Dank Dorian sind wir auch nochmal zum Schloss gefahren. Leider war der Sonnenaufgang immer noch nicht zu 100% so wie wir ihn haben wollten, aber es war trotzdem schon so viel schöner als am Tag vorher. Denn anstelle von einem tollen Sonnenaufgang hatte sich der Nebel um die Burg Vianden gelegt. Dies gab der Burg ein mystisches Feeling, was den Fotos sehr viel Stimmung gab.

Vorlage
Burg in Luxemburg

Links: unsere Vorlage: „Burg Vianden in Luxemburg bei Sonnenaufgang“ von Michael Valjak.

Rechts: Was ich daraus gemacht habe.

Wie sieht es bei dir aus? Hattest du auch bereits die eine oder andere nicht so tolle Fototour? Hast du noch weitere Tipps, die dir helfen doch noch das Beste aus dem Tag herauszuholen? Schreib sie mir gerne in die Kommentare!

Bis zum nächsten Mal

Lena

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